Netzwerk-Organisationen, Schwarmintelligenz, Change?

Seit einigen Tagen brodelt es an europäischen Universitäten. Ausgangspunkt waren Studentenproteste in Wien, die – unterstützt von Twitter (#unibrennt), Videoübertragungen (livestream) und zahllose Blogbeiträgen – auf Innsbruck, Linz, Genua, München, Gießen und andere Städte übergriffen. Es war einer der ersten Netzwerk-Proteste dieser Art, dessen kollektive Organisation man in Echtzeit verfolgen konnte. In diesem Umfeld entstand die folgende Präsentation, die in Sachen Theoriediskurs überschaubar bleibt, dafür einen guten Eindruck kommender Ereignisse gibt:

Vom Autor dieser Präsentation, Helge Fahnberger: “Bei dieser Gelegenheit zu drei Missverständnissen, die die Präsentation fast immer auslösen scheint:

Missverständnis 1: Hierarchische Strukturen sind schlecht, netzartige gut. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, das zeigt auch das Unibrennt-Beispiel. Allgemeingültige Empfehlungen sind überhaupt Mumpitz. Die Slides sind nicht als Brandrede für eine Veränderung gedacht, sondern Ergebnis einer Beobachtung, und mehr Frage als Antwort.

Missverständnis 2: Netzstrukturen werden Hierarchien ersetzen. Zu einfach. Hierarchien entstehen meines Wissens meist dort, wo der Reibungsverlust von Netzstrukturen groß ist. Diese Reibung wird durch moderne Kommunikationskanäle oft geringer, auch größere Netzwerkstrukturen können dadurch produktiv sein. Doch selbst die Wikipedia benötigt gewisse Hierarchien (siehe ab Minute 14) um zu funktionieren. Netzstrukturen und Hierarchien können sich also ergänzen. Vielleicht werden Hierarchien nur flacher, durchlässiger? (Braucht es immer Sektionen, Orts/Bezirks/Landesgruppen, um Politik zu machen? Chefredakteure, um zu Publizieren? Etc.) Es bleibt spannend.

Missverständnis 3: Netzstrukturen sind egalitär. Ich habe keine Ahnung, warum das dieser Präsentation immer wieder unterstellt wird. Weil die blauen Dots alle gleich groß sind? Weil bei den Ameisen alle Arbeiterinnen gleich gestellt sind? Kommunikationsnetze sind komplexer, das sollte nicht überraschen.”

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